Kopftuchdebatte oder wunderbares Accessoire

Kopftuchdebatte (Redaktion/HL)

Die Kopftuchdebatte kennt man sonst in einem anderen Zusammenhang. Lesen Sie hier, wie Kopftücher zu mehr Glück und Lebensfreude verhelfen.

Kopftuchdebatte nein danke. Diese Kopftücher machen Frauen glücklich.

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Diesen Aspekt der Kopftuch-Debatte kennen Sie garantiert noch nicht!

Kopftücher KÖNNEN ein getragenes Zeichen der eigenen Religion sein. Sie KÖNNEN ein materialisierter Ausdruck von Gehorsam und Unterordnung sein. Doch sie sind auch eine Möglichkeit, sich als Frau seine Würde zu bewahren. Und das ohne jeden religiösen Hintergrund. Lesen Sie hier, wie eine Frau ihren Leidensgenossen Würde und Freude schenkt: mit einem Kopftuch.

Noch immer eine niederschmetternde Diagnose: Brustkrebs

Viele Frauen haben eine Heidenangst vor dieser Diagnose. Im Frühjahr 2016 traf es Gina O. Bei der Vorsorgeuntersuchung war es bereits zu spät. Ein schnell wachsender Tumor, gemeinerweise hatte er schon in einige Lymphknoten gestreut. OP und Chemotherapie folgten. Mit allen schweren Nebenwirkungen. Alle Chemopatientinnen und –patienten sind betroffen: Bei einer Chemo, die sich gegen sich teilende Zellen richtet, werden auch die Haarzellen getötet. Alle Körperhaare fallen aus.

Kann man das mit Humor nehmen?

Gina O. jedenfalls kann es. Während der Chemo beschwerte sie sich bei der Oberärztin: „Ihr habt mir versprochen, dass mir alle Haare ausgehen. Warum muss ich mir immer noch die Beine rasieren?“ Die Ärzte waren baff, hatten aber keine echte Erklärung für sie. Aber Hand aufs Herz: Nun wird es Herbst, die Tage der Shorts und Miniröcke sind gezählt und die Beine kann Frau wunderbar in langen Hosen verstecken. Doch was ist mit dem Kopf? Es gibt nur eine Handvoll Mädchen in unserem westlichen Kulturkreis, die absichtlich und provozierend kahlköpfig durch die Gegend rennen. Manche von ihnen sind durchaus hübsch anzusehen. Die Regel ist das jedoch nicht. Und leider sind sie entweder dem ultrabraunen oder dem ultralinken Lager zuzurechnen. Anders sieht es bei den Männern aus. Wer ohnehin genetisch benachteiligt ist und schon ab Mitte 30 nur noch einen spärlichen Haarwuchs aufweisen kann, rasiert sich den Kopf lieber gleich und reiht sich mit hipper Nerdbrille und edler Krawatte in die Reihe der Jung- oder Älterdynamiker ein. Auch Männer haben Krebs und verlieren bei einer Chemotherapie die Haare. Aber irgendwie kommen sie besser damit klar. Frauen brauche für „oben ohne“ schon verdammt viel Selbstbewusstsein. Dieses ist aber leider mit den Nebenwirkungen einer Krebserkrankung erst einmal auf Tauchstation gegangen.

Ich mach mich schön, ist die Devise. Und euch gleich mit.

Es ist nicht so, dass Gina O. nicht unter dem Verlust ihrer Haare leidet. Oh doch. Vor der Chemo trug sie ihre dicken, schwarzen Haare lang wie eine Indianerin. Sie weiß also genau, was Frauen fühlen, wenn sie eines Tages bei der Morgentoilette büschelweise Haare auskämmen. Aber Gina O. hat etwas, was die wenigsten Frauen haben. Jede Menge Lebensmut und einen ganzen Raum voller bunter Stoffe. Gina O. ist Patchworkerin und betreibt ein Geschäft für Patchworkstoffe und Nähutensilien. Nichts lag näher, als sich selbst eine Kopfbedeckung zu erfinden. Und obwohl das Kopftuch wie das Rad nicht wirklich neu erfunden werden muss, war ihre Idee geboren. Unter dem Label „Ginas Glückstücher“ näht sie nicht mehr nur für sich selbst. Aus über 400 Stoffen können sich Leidensgenossinnen und andere Tuchträgerinnen ihren Lieblingsstoff aussuchen. Gina näht in zwei Größen Tücher aus reiner Baumwolle, wäscht und bügelt sie vor und versendet sie mit einem aufmunternden Kärtchen. Jede Kundin findet in ihrem Paket außerdem eine kleine Überraschung mit Herz.

Ginas Glückstücher machen fröhlich!

„Ich bin noch mitten in meiner Behandlung. Natürlich hoffe ich, dass ich gesund werde. Meine Arbeit mit den bunten Farben heitert mich auf. Und genau das möchte ich erreichen: Jede Frau, die ein Glückstuch in ihrer Lieblingsfarbe bestellt, soll sich mit dem Tuch schön finden und Freude an den Farben haben. Das hilft beim Gesundwerden.“ Gina O.s Stofflager bietet über 400 verschiedene Farben und Muster. Einfarbig, Batikmuster, Blümchen, Herzen, Geometrie – Farbe und Form, so weit die Stoffballen reichen. Auch die Männer finden etwas. „Männer mögen schwarz oder blau bedruckte Stoffe. Es steckt doch in jedem Mann ein Pirat oder ein Rocker“, lacht Gina – auf dem eigenen Kopf ein Tuch aus buntem Batikstoff. Irgendwie verlässt man Ginas Laden nie mit nur einem Muster. Dazu gibt es viel zu schöne Designs. Die Kundinnen suchen sich im Internet oder vor Ort ihren Lieblingsstoff aus und nach nur wenigen Tagen kommt das Päckchen mit dem Glückstuch per Post nach Hause. Jedes geöffnete Päckchen zaubert mit seinen farbenfrohen Tüchern ein Lächeln auf die Gesichter. Ein Moment des Glücks in einer schweren Zeit.

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[bildunterschrift]Ginas Glückstücher können Sie bestellen. Kommen Sie bei Gina vorbei oder besuchen Sie das Kreative Nähstübchen im Internet.

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